Mit dem Rad von Borkum bis nach Usedom

Diesen Sommer starten die beiden erfahrenen Rettungsschwimmer Vanessa und Stefan den Versuch, alle 86 Rettungswachen des ZWRD-K an der gesamten deutschen Küste zu besuchen.
Unsere Tour geht von Borkum aus immer an der Küste der Nordsee entlang bis nach Sylt. Anschließend geht es an der Ostsee von Glücksburg aus weiter bis zur Insel Usedom.

Um die rund 1.500 Kilometer lange Strecke zwischen allen Wachen zu bewältigen, haben wir unsere Fahrräder mit je vier Packtaschen beladen. Neben normaler Kleidung ist auch die Einsatzkleidung sowie Matten, Schlafsäcke und sogar Zelt mit dabei - so sind wir auf alle Eventualitäten gefasst. Bevorzugt wollen wir zwar in den Unterkünften an den Rettungswachen übernachten, jedoch gibt es auch Wachen auf Campingplätzen oder die Unterkünfte sind einfach ausgebucht. Für diese Fälle haben wir aber unser Zelt.

Erster Tour-Abschnitt: Ostfriesland

Am Dienstag, den 11. Juni 2019 ging die Reise mit dem Nachtzug von Süddeutschland aus in Richtung Nordsee los. Erste Station: die Insel Borkum. Bei regnerischem Wetter kamen wir an der Unterkunft an. Die erste Rettungsschwimmerin, die wir dort trafen, kam aus ihrem eigenen Bezirk.
Trotz Regens erkundeten wir den Nordstrand, um uns zunächst ein Bild vom Wachgebiet zu machen. Am Abend zeigte sich die Sonne dann doch noch und wir konnten zusammen mit der Wachmannschaft den Sonnenuntegang am Meer betrachten. Ein toller Abschluss, um dann endlich den Anreisestress in der Unterkunft auszuschlafen.

Am nächsten Tag ging es mit der Fähre wieder zurück aufs Festland und mit den Rädern bis zur Wache Norddeich. Die kleine Wache direkt am Wattenmeer war mit aktuell drei Personen besetzt, die über die Sicherheit am Strand wachen.
Die nächste Wache, die wir am Freitag besuchten, war dann auf der Insel Baltrum. Auf der autofreien Insel stürtzten wir uns das erste Mal in die Nordsee. Nach Erkundung der kleinen Insel ließen wir den Abend in der Unterkunft ausklingen.

Doch schon am nächsten Tag mussten wir die Insel wieder in Richtung Bensersiel verlassen. Die Unterkunft dieser Wache ist nicht mehr direkt im Dorf, weshalb wir freundlicherweise einen Gratisplatz für unser Zelt auf dem Campingplatz Bensersiel erhielten. Der Wachdienst dort ist sehr entspannt, da das Wasser nur kurze Zeit um die Hochwasserzeit in Strandnähe ist.

Am Sonntag konnten wir einen Teil des Gepäcks auf der Wache Bensersiel lassen, um nur mit dem nötigsten auf die Insel Langeoog überzusetzen. Da wir ein Zimmer in der Unterkunft bekommen hatten, reichte dafür eine kleine Tasche aus. In Langeoog zeigte sich das Wetter von seiner guten Seite. Das wurde genutzt, um die dortigen Rettungsbretter für einen Ritt auf den Wellen zu nutzen. Am Abend gab es in der Unterkunft die Lesung eines Inselkrimis einer Autorin von Baltrum, der auch auf selbiger Insel spielt.


 

Niedersachsens zweiter Abschnitt

Nachdem wir Ostfriesland hinter uns ließen, waren als nächstes die friesischen Wachen an der Reihe.

Der erste Halt war am Montag, den 17. Juni im Wangerland mit den beiden Wachen Horumersiel/Schillig und Hooksiel. Die gemeinsame Unterkunft der beiden Wachen ist auf dem Campingplatz Hooksiel, auf dem wir dankenswerterweise gratis zelten durften. In der Mündung der Weser gelegen sind beide Wachen geprägt vom Gezeitenwechsel. Neben der Bewachung während der Hochwasserzeit liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der medizinischen Versorgung, wofür die Wachen top ausgestattet sind. Damit sind sie für sanitätsaffine Wachgänger bestens geeignet. Bei einem gemeinsamen Abendessen, auf das man uns einlud, diskutierten wir mit Bernd Edler (Einsatzleiter Küste Niedersachsen) über die Wachen und deren Darstellung in der Waterkant.

Nach einer 75 Kilometer langen Tour, bei der wir die Wache Wilhelmshaven links liegen ließen und die leider noch geschlossene Wache Dangast zum Mittagessen nutzten, kamen wir an der Nordseelagune Burhave am Mittwochabend erschöpft an. Diese bietet neben tideunabhängigem Wasserspaß eine höhere Wassertemperatur als das offene Meer. Pünktlich vor dem Gewitter kamen wir an der Unterkunft an. Aufgrund der Unwetterwarnung für die Nacht, bot uns die Vermieterin der DLRG-Unterkunft ihr Gästezimmer anstelle des Gartens als Zeltplatz an. Trotz schlechten Wetters grillten wir mit der Wachmannschaft und der Abschnittsleiterin.

Am nächsten Tag stand eine weitere lange Etappe mit über 70 Kilometern auf dem Programm. Bei schlechtem Wetter und eintöniger Landschaft gestaltete sich diese Etappe als sehr anstrengend. Endlich auf der Station Sahlenburg der Wache Cuxhaven angekommen, entschädigten uns dafür die leckeren Fischbrötchen. Der Hauptamtliche der Station Sahlenburg und der Abschnittsleiter erkannten uns sofort wieder, obwohl seit unserem Wachdienst in Cuxhaven vier Jahre vergangen waren. Da wir bereits dort auf Wache waren, haben wir nicht alle größtenteils eigenständige Wachen besucht. Zum Abschluss des Landes Niedersachsens genossen wir am Abend frischen Fisch auf dem Fischmarkt.


 

Schleswig-Holsteins Nordseewachen auf dem Festland

Zwischen der letzten Wache in Niedersachsen und der ersten in Schleswig-Holstein liegen nur circa 30 Kilometer Luftlinie. Wir mussten jedoch einen großen Bogen durch das Innland machen, da die erste Querungsmöglichkeit der Elbe bei Glückstadt ist. Wir mussten also erstmal 50 Kilometer die Elbe entlang aufwärts fahren, bevor wir das Bundesland wechseln konnten. Da die Strecke bis zur nächsten Wache für einen Tag doch zu weit war (130 Kilometer), machten wir im kleinen Hodorf Halt.
Die Navigation auf so langen Strecken kann durchaus für Überraschungensorgen. Der Vorschlag des Navis folgt nicht immer der Fahrradwegbeschilderung: ungewollte Umwege über Trampelpfade durchs grüne Dickicht kommen da schon mal vor.

Am Ende von zwei langen Tagesetappen kamen wir am 22. Juni erschöpft auf der Wache Büsum an. Die auf dem Weg gelegenen Wachen Speicherkoog und Büsum Deichhausen waren leider noch nicht besetzt. Beide weisen ausgeprägte Wattzeiten auf. Auf dem Weg zur Wache Büsum fuhren wir durch das schöne Dorf mit seinem tollen Fischerhafen. Die drei Stationen bewachen zum einen den Rasenstrand und zum anderen den Sandstrand der Lagune. Den Abend ließen wir in der geräumigen und gut ausgestatteten Unterkunft ausklingen.

Am darauf folgenden Sonntag fuhren wir über die leider noch nicht besetzte Wache Vollerwiek nach St. Peter-Ording. Vollerwiek ist ein sehr kleiner Rasenstrand am Deich, der laut anderer Wachgänger jedoch sehr herzliche Gäste hat. St. Peter-Ording ist eine recht große Wache. Die fünf Stationen sind weit voneinander entfernt und weitestgehend eigenständig. Neben den Rettungsschwimmern der DLRG ist jede Station noch mit einem Hauptamtlichen besetzt. Aufgrund des heißen Wetters stürzten wir uns nach der Ankunft in die kühlende Nordsee mit Miniquallen. Beim Abladen der Fahrräder mussten wir feststellen, dass wir nicht mehr alle Schrauben am Rad hatten. Am Abend nutzten wir zusammen mit den anderen Wachgängern das Angebot des vergünstigten Eintritts in die Therme und relaxten in der Sauna.


 

Die nordfriesischen Inseln

Den Abschluss der Nordsee machten die nordfriesischen Inseln. Von St. Peter-Ording aus nahmen wir den Zug bis nach Husum, da wir ansonsten die Fähre zum Mittag nicht geschafft hätten. Die Strecke war einfach zu weit. Als wir am 24. Juni an der Wache auf Pellworm ankamen, mussten wir leider feststellen, dass sie noch nicht besetzt war. Die Wache selbst ist sehr klein: sie ist ein Container an einem Rasenstrand und von langer Wattzeit dominiert. Laut einer später getroffenen Wachgängerin müsse man auch nur vier Stunden bei Hochwasser Dienst machen und könne ansonsten die vergünstigten Angebote auf der Insel nutzen. Im Schatten der Wache genossen wir den Mittag, bevor wir auf den kleinen Campingplatz fuhren. Den hatten wir im Vorfeld bereits als Notlösung angefragt. Beim Abendessen warnte man uns, nicht zu hart zuzubeißen, da in den Graugänsen eventuell noch Kugeln von der Jagd sein könnten.

Am Dienstagmorgen hieß es früh aufstehen. Denn bevor es zur frühen Fähre ging, mussten wir zunächst die Insel durchqueren. Da wir noch etwas Zeit hatten, schauten wir uns Tennesiel an. Wieder auf dem Festland galt es wieder in die Pedale zu treten, um in Dagebühl gleich wieder auf die Fähre zu fahren. Die Fahrt an sich entlang der Deiche ist immer sehr schön und begleitet von der ständigen Sicht auf die grasenden Schafe. Lediglich der Teilabschnitt von rund einem Kilometer, bei dem man ständig die Gatter der Schafherden öffnen und schließen musste, machten das Fahren recht anstrengend: Immer wieder abbremsen, Gatter aufdrücken und wieder beschleunigen. Das führt zu keinem gleichmäßigen Reisefluss.
Die Fähre brachte uns auf die Insel Föhr. Die erste Station war gleich das Hafendorf Wyk. Nach der anstrengenden Fahrt bei drückender Hitze sprangen wir ins auflaufende Wasser, um uns abzukühlen. Vanessa besuchte auch direkt den Turm 3 auf schwimmerischem Wege. Zum Zeitpunkt unseres Besuches waren nur zwei der insgesamt sechs Türme besetzt. Am Abend grillten wir zusammen mit der Wachgängerin der Station Nieblum. Eigentlich dachten wir, dass die Wache Nieblum nicht besetzt wäre. Es gibt aber auch Wachgängerinnen, die bei Ankunft auf dem Festland entscheiden, doch wieder auf die Fähre zu steigen und noch einmal für zwei Wochen auf Wache zu bleiben.

Am Mittwoch fuhren wir mit nur kleinem Gepäck, aber starkem Gegenwind auf die Wache Utersum. An einem von Watt geprägtem Strand hat die Wache mit ihrem tollen Holztürmchen Charme. Schon im Voraus teilte man uns mit, dass zwei zusätzliche Personen in der kleinen Unterkunft keinen Platz fänden. Nach einer netten Unterhaltung über das Wachgebiet und zahlreiche Erfahrungen von anderen Wachen kehrten wir daher wieder zurück nach Wyk, um dort nochmals zu nächtigen.
Die letzte Wache auf Föhr war Nieblum, die wir am Donnerstag besuchten. Sie besteht aus zwei Türmen, welche dem in Utersum sehr ähneln. Bei bedecktem Wetter war der Strand nur wenig besucht. Bei tollen Gesprächen ging der Tag aber trotzdem schnell vorbei. Am Abend nahmen wir einen Imbiss am zweiten Turm in Goting ein. Der Besitzer unterstützt die dortigen DLRG-RettungsschwimmerInnen und spendierte uns das Abendessen.
 

Am Freitag ging es mit der Fähre weiter nach Amrum. Auf dieser Insel waren wir vor vier Jahren schon einmal zum Wachdienst, sodass uns die Wachen bereits bekannt waren. Die erste Wache, die wir ansteuerten, war Norddorf. Doch in den letzten Jahren hat sich auf der Insel einiges verbessert. So gibt es in Norddorf inzwischen zwei Türme und auch die Unterkunft ist größer. Der Weg von der Düne bis zur Wasserkante ist sehr weit. Das quasi tidenunabhängige Wasservergnügen ist dafür aber Belohnung genug. Am Abend, welcher für die Stammmannschaft der Abschiedsabend war, feuerten sie den Grill an und verbrachten ihre letzten Stunden mit Einheimischen. Am nächsten Morgen sattelten wir nicht sofort auf, sondern füllten das häufig auftretende Wachwechselloch. Pünktlich zur Badezeit besetzten wir den Turm, sodass der Strand bis zum Eintreffen der neuen Mannschaft sicher war.
Die zweite Wache auf Amrum liegt in Nebel. Hinter dem Inselwald und der Düne liegt ein ebenfalls weitläufiger Strand, an dem es drei Türme gibt. Gegenüber unserem letzten Wachdienst hier gibt es inzwischen ein Boot und ein Elektrostrandfahrzeug. Auch wenn es einen Tidenhub gibt, geht das Wasser nie all zu weit zurück. Die Welt ist ja sprichwörtlich klein und das gilt auch für den ZWRD-K. Die Wachmannschaft bestand aus KameradInnen aus unserem Landesverband und den Wachleiter hatten wir beim letzten Mal schon kennen gelernt.

Die letzte Wache an der Nordsee liegt in Hörnum auf Sylt. Dieser fuhren wir am Sonntag an. Von Amrum aus gibt es eine direkte Fährverbindung dort hin. Die Fähre besitzt einen Jetantrieb, der allerdings kurz nach dem Start erstmal streikte. Aufgrund von großen Mengen an Algen im Hafen waren die Filter verdreckt. Nach circa fünf Minuten hatte die Crew sie gereinigt und es konnte mit Vollgas Richtung Norden weiter gehen. In Hörnum gibt es eigentlich vier Wachtürme, vom Hafen bis hinaus zum Campingplatz. Dieses Jahr sind leider nur drei davon einsatzbereit, da am Hauptstrand zu viel Sand fehlt, als dass der Turm dort geöffnet werden könnte. Dies ist ein notorisches Problem auf Sylt, weshalb jährlich mehrere Millionen Euro investiert werden, um neuen Sand anzuspühlen. Landschaftlich liegt die Wache Hörnum sehr schön vor einzeln in den Dünen verteilten Häusern, welche für den normalen Geldbeutel unerschwinglich sind. Die Türme werden jeweils gemeinsam mit hauptamtlichen Rettungsschwimmer besetzt. Aufgrund der häufig starken Brandung und daher auch Strömung ist eine gewisse Erfahrung auf dieser Wache klar von Vorteil.


 

Flensburger Förde

Um von Sylt aus die Nordsee zu verlassen, stiegen wir am 1. Juli in den Zug, um über den Hindenburgdamm aufs Festland zu kommen. Mit dem Wechsel der Meere liegt nun zwar die Hälfte der Fahrstrecke, aber erst ein Viertel der Wachen hinter uns. Es folgen die kürzeren Etappen zwischen den einzelnen Wachen. Bevor wir in Glücksburg/Holnis die erste Wache der Ostsee erreichten, radelten wir zuvor eine längere Etappe von 65 Kilometern vorbei am Flensburger Hafen. Dies ist die nördlichste aller Wachen. Obwohl wir nun an der Ostsee waren, lagen große Teile der Badezone trocken. Diese Art "Ostsee-Ebbe" entsteht bei ablandigem Wind in Buchten oder Förden und hält meist so lange an, wie der Wind das Wasser wegdrückt. Das Wachgebäude in Holnis steht direkt am Strand, das gleichzeitig auch die Unterkunft ist. Aufgrund des limitierten Platzes nächtigten wir im Funkraum im ersten Stock der Wache - tolle Aussicht am nächsten Morgen inklusive.

Am Dienstag nutzten wir eine Regenpause, um auf die nur 11 Kilometer entfernte Wache Westerholz/Langballigau zu fahren. Auch hier steht die Unterkunft direkt am Meer, unweit der Wache. Aber auch die Wache in Langballigau ist in laufweite. Dies ist ein nettes kleines Holzhüttchen mit Ausguck auf dem Dach. Da wir aufgrund von unerwartet geschlossenen Wachen zwei Tage im Vorraus dort waren, für spätere Wachen jedoch wieder in den Zeitplan kommen mussten, blieben wir hier für zwei Tage. Dadurch konnten wir die Wachmannschaft einen ganzen Tag unterstützen und einem Wachgänger auch einen freien Mittag bescheren.

Die dritte Wache in der Flensburger Förde liegt in Norgaardholz. Auch hier sind Wache und Unterkunft in einem gemeinsamen Gebäude direkt am Strand untergebracht. Die Wache verdient das Prädikat "klein, aber fein". Neben den Rettungsschwimmern des ZWRD-K, beteiligt sich die hiesige Ortsgruppe aktiv mit ihren Jettis am Wachdienst. Am Abend stand eine gemeinsame Übung mit den Booten der DGzRS aus Langballigau und Gelting auf dem Plan. An dieser durften auch wir teilnehmen und fanden auf einem der Seenotrettungsboote Platz. Es war spannend zu sehen, was die Herausforderungen der Seenotretter bei Personensuchen auf dem offenen Meer sind. Parallel zur eigentlichen Suche auf festgelegten Routen muss ein Boot auch immer die Einsatzleitung übernehmen, was unser Boot übernommen hatte. Im Anschluss unterhielten wir uns beim gemeinsamen Grillen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Hilforganisationen.


 

Halbinsel Schwansen

Am Samstag, den 6. Juli, fuhren wir im Nieselregen von Noorgardholz 31 Kilometer nach Schönhagen. Dabei staunten wir mal wieder nicht schlecht über eine der tollen Kuriositäten der Wegbeschilderungen. Der Weg führte uns vorbei am Weidefelder Strand, zu dem wir am nächsten Tag fuhren. Dieses Vertauschen der Wache war nötig, da die Wache am Weidefelder Strand erst ab diesem Wochenende wieder besetzt wurde. Über den leider recht steinigen Schönhagener Strand wachen die Rettungsschwimmer von zwei Türmen aus. Außerdem dient die erst 2018 eingeweihte Unterkunft teilweise auch zum Wachdienst. Im Erdgeschoss ist ein großer Aufenthaltsraum samt Küche und ein sehr geräumiger Sanitätsraum, in dem wir übernachteten. Im ersten Obergeschoss sind die Rettungsschwimmer in drei Appartments untergebracht und für den Wachleiter (samt Familie) steht das Penthouse im zweiten Obergeschoss zur Verfügung.

Sonntags fuhren wir zurück zum Weidefelder Strand, wo die Wachmannschaft schon dabei war, den nagelneuen Wachturm aufzubauen. Bei sonnigem, aber windig kühlem Wetter unterstützten wir tatkräftig beim Einrichten. Neben dem Verstauen des Einsatzmaterials waren auch Rätsel zu lösen, wie die verschiedenen Komponenten angebracht werden sollten. Durch unsere Erfahrung mit gleichartigen Türmen auf anderen Stationen konnten wir hilfreiche Tipps geben, wie zum Beispiel die Entfernung von zwei der fünf Leinen am Flaggenmast. Nach dem Abendessen kam noch eine Reporterin des Schlei-Boten (Lokalzeitung) vorbei, um einerseits über unsere Reise, aber auch über die zukünftigen Herausforderungen auf dieser Wache zu berichten. Am nächsten morgen lief Vanessa zusammen mit einem Teil der Wachmannschaft zum nahe gelegenen Olpenitz, während ich mit dem Rest das Frühstück vorbereitete.

Am Montag ging unsere Reise weiter zum Ostsee-Resort Damp. Von Norden kommend machten wir zuerst am Turm "Schuby" Halt, welcher zum gleichnamigen Camping gehört. Anschließend fuhren wir weiter zur Hauptwache, wo wir herzlich begrüßt wurden. Da neben der Waschmaschine auch ein Trockner vorhanden war, nahmen wir das Angebot des Kleiderwaschens gerne an. Da wir täglich auf Reisen sind, ist ein umwelschonendes Trocknen auf der Leine für uns recht unpraktisch. Im Anschluss erkundeten wir das Wachgebiet. Über den Hundestrand wachen die Rettungsschwimmer von dem alten Rettungsboot "Albatros" aus. Aber auch sonst ist der Strand klar gegliedert und gut mit Türmen bestückt. Am Abend gingen wir zusammen mit der Wachmannschaft ins Erlebnisbad, welches nach Anmeldung für Rettungsschwimmer kostenlos ist.

Dienstags führte uns unser Weg zur Wache am Fischleger Strand. Die Wachmannschaft genießt zusammen mit Damp Vollverpflegung. Daher fuhren wir nach dem Frühstück zusammen zu deren Station. Neben den vier Rettungsschwimmern wacht aktuell auch Rudi Retter über den Strand. Dank seines Social-Media-Auftritts erreichten uns auch prompt Grüße von befreundeten Rettungsschwimmern vom Fühlinger See in Köln. Da die Wache gleichzeitig die Unterkunft ist, kann man die Wachabende bestens mit Meerblick ausklingen lassen oder die vielfältigen Angebote im nur zwei Kilometer entfernten Damp nutzen. Ruhe und Trubel wechseln sich also nach Belieben ab. So nutzten wir zum Beispiel die Möglichkeit, gratis zu saunieren. Die Sauna liegt jedoch am Aktionsstrand und so herrscht nicht unbedingt die typisch ruhige Atmosphäre.

Die nächsten beiden Wachen auf unserer Reise lagen in der Gemeinde Klein Waabs. Am Mittwoch steuerten wir zuerst die Wache auf dem Campingplatz "Familie Heide" an. Die Unterkunft liegt direkt am Abgang zum Strand oberhalb der Steilküste.  Da die Badezone von hier leider nicht einsehbar ist, gibt es noch einen Wachcontainer unten am Strand. Klein aber völlig ausreichend ist die Unterkunft für die zwei nötigen Rettungsschwimmer und bietet einen tollen Meerblick über die Eckernförder Bucht. Für Familienangehörige oder falls doch mehr Platz benötigt wird, gibt es aber auch noch einen Campingwagen, in dem wir gratis wohnten.

Am nächsten Tag fuhren wir anderthalb Kilometer zur zweiten Wache in Klein Waabs (Klein Waabs, Gemeindestrand). Die Station ist gleichzeitig Unterkunft und hat einen circa einen Kilometer entfernten Außenturm in Langholz. Die Unterkunft liegt idyllisch am Meer vor einem Wald und besteht aus zwei 2-Personen-Appartments. Das eine davon erlaubt sogar Meerblick vom Bett aus. Die zwei nicht allzu großen Badezonen täuschen einen absolut ruhigen Wachdienst vor, doch aufgrund von stärkeren Strömungen in der Eckernförder Bucht, kommt es regelmäßig zu Einsätzen aufgrund von abgetriebenen Surfern oder Schwimmern. Aufgrund des schlechten Wetters waren jedoch keine Badegäste da und wir brauchten die Wache trotz Unterbesetzung nicht unterstützen.


 

Von Eckernförde in den Landkreis Plön

Am Freitag, den 12. Juli sind wir nach Eckernförde gefahren. In Sichtweite zur Hauptsation hat uns Radio Schleswig-Holstein für ein Telefoninterview angerufen. Sie waren durch den Bericht über uns in der Eckernförder Zeitung auf uns aufmerksam geworden und wollten am Nachmittag einen kurzen Beitrag senden. Auch auf der Wache wussten durch die Berichterstattung bereits alle Rettungsschwimmer über unsere Tour Bescheid. Die Nebentürme sind moderne "Schäferwagen", die neben der ansprechenden Optik auch gut für den Wachdienst ausgestattet sind. Die Rettungsschwimmer sind im Gästehaus des Landesverbandes Schleswig-Holstein untergebracht, wo man sich dank Vollverpflegung keine Gedanken um die Mahlzeiten machen muss. Glücklicherweise war das Haus nicht voll belegt, sodass wir noch ein Zimmer privat buchen konnten. Bei einem Stadtbummel konnten wir einen Mann mit Oberarmfraktur kompetent Erstversorgen, bis der gerufene Rettungsdienst eingetroffen war. Nachts kam es zum wohl traditionellen Schuhgirlandenknoten, wobei alle Schuhe einer jährlich stattfindenden Jugendfreizeit dekorativ im Treppenhaus aufgehängt wurden.

Samstags führte uns unser Weg zur Wache Schwedeneck. Direkt am Strand steht die Unterkunft, die dank tollem Meerblick bei schlechtem Wetter auch als Wachstation genutzt werden kann. Am Strand selbst befinden sich noch ein Bauwagenwachturm und das Boot. Darüber hinaus wird auch der Strand in Dänisch-Nienhof von dieser Wache mit betreut. An diesem kleineren Strand ist ein Wachturm kaum nötig, da man direkt aus dem Sand heraus die Badenden gut beobachten kann. Den Weg zwischen beiden Stränden kann man malerisch schön an der Wasserkante oder oberhalb der Steilküste im Wald zurücklegen. Die Wache wird von vielen Stammmannschaften besetzt, weil sie neben einem entspannten Wachdienst unter anderem auch tolle Kulissen zum Tauchen und Kajakfahren bietet. Da an diesem Tag das Wetter endlich mal wieder gut war, haben wir die Chance genutzt und sind endlich wieder in die immer noch recht kühle Ostsee gesprungen.

Trotz des schon wieder schlechteren Wetteres am nächsten Tag haben wir die 33 Kilometer bis zur Wache Wisch-Heidkate gut gemeistert. Auf dem Weg dorthin haben wir uns an Kirschbäumen am Wegesrand gestärkt. Der Körpergröße entsprechend konnte vom Boden aus oder aus dem Baum heraus gepflückt werden. Kurz vor Querung der Kieler Förde (von Falkenstein nach Laboe) haben wir an einem Wachturm der Wasserwacht Halt gemacht. Als wir am Turm waren, begrüßten uns aber zwei DLRG'ler. Die Wachen um Kiel werden in Kooperation betrieben, erklärte man uns. Die Wache Wisch-Heidkate mit ihren zwei Türmen liegt an einem Nordstrand mit Sicht auf die offene Ostsee und die Fahrrinne in Richtung Kiel. Während der Revierkunde durften wir schon die ersten Wachgänger der nächsten Wache kennenlernen. Sie waren spontan auf einen Besuch vorbeigekommen. Beim Grillen in der Unterkunft direkt hinterm Deich stellten wir fest, dass der Wachleiter ein alter Bekannter von Kameraden aus unserer Ortsgruppe ist.

Montags lohnte sich das Bepacken der Räder kaum, denn die Wache Schönberger Strand & Kalifornien befindet sich in Sichtweite. Aufgrund des immer noch schlechten Wetters wurde morgens "halbe Wache" ausgerufen und es waren nur die beiden Haupttürme besetzt. Hier kam es zum Wiedersehen mit einer Wachgängerin, die wir bereits in Damp kennengelernt hatten. Am Nachmittag haben wir neben der üblichen Revierkunde auch noch das Dorf erkundet, weil der Strand bei dem schlechten Wetter kaum besucht war. Untergebracht sind die Rettungsschwimmer in einem eigenen Haus mit Meerblick. Neben den Schlafräumen bietet es eine Großküche für die Vollverpflegung, Speisesaal sowie einen separaten Aufenthaltsraum. Für uns war eine Zimmer im Keller gefunden worden, jedoch hatten wir die Wachgängerin, die wir schon in Damp getroffen hatten, so ins Herz geschlossen, dass wir spontan unser Nachtgemach bei ihr im Zimmer aufschlugen.


 

Durch die Hohwachter Bucht nach Heiligenhafen

Am Dienstag, den 16.7., fuhren wir zur noch recht neuen Wache in Behrensdorf. Nach einem tragischen Vorfall in der Nähe wurde diese Wache erst 2015 offiziell eröffnet. Daher befindet sie sich aktuell noch etwas im Aufbau, ist dafür aber schon gut ausgestattet. An einem schönen Natursandstrand steht ein schickes Holzhüttchen als Wachturm, welches im nächsten Jahr jedoch durch eine neue mobile Station ersetzt wird. Darüber hinaus ist es quasi eine "Full-Service"-Station für Wachgänger, so gibt es zum Beispiel Einsatzkleidung im Verleih. Die etwas spartanische Unterbringung findet in einem Jugendcamp statt, das eine Rundumversorgung inklusive Abendprogramm bietet. Bei schönem Wetter verbrachten wir mit den Wachgängern den Tag und fanden dabei ein äußerst tolles Exemplar eines versteinerten Seeigels im Sand. Am Abend besuchte uns Steph Dittschar, eine Fotografin des Bundesverbandes. Denn über unsere Reise soll auch im Lebensretter berichtet werden. Noch am gleichen Abend schoss sie die ersten Bilder, bevor wir den Abend gemeinsam im Restaurant direkt am Meer ausklingen ließen.

Am Mittwoch (17.7.) führte unser Weg ins nahe gelegene Hohwacht. Fotografin Steph wartete bereits auf uns als wir ankamen und nutzte die Zeit, um für die dortige Wachmanschaft professionelle Bilder zu machen. Für das Fotoshooting erklärte uns der Wachleiter das Gebiet. Da wir aber bereits vor vier Jahren dort Wache gemacht hatten, kannten wir es schon gut. Bei ausgiebigen Streifen am feinen Sandstrand konnte ich (Stefan) aber doch noch neue Stellen des Strandes kennen lernen, da ich beim letzten Mal als Bootsführer natürlich eher auf dem Wasser unterwegs war. Auf dem Weg von der Hauptwache bis zum Außenturm 2 gibt es eine tolle Steilküste, von deren Oberkante man einen tollen Blick über die gesamte Bucht hat. Als Schlafstätte hatte der Wachleiter für uns den Lesesaal in der Kurverwaltung reserviert, sodass wir vor einer Vitrine mit ausgestopften Tieren und Feuerwehrutensilien nächtigen durften.

Da der Weg am Donnerstag (18.7.) bis nach Sehlendorf nur vier Kilometer weit war, trafen wir die Wachmannschaft nicht am Turm, sondern im Wasser bei einer Übung an. Neben der festen Hauptwache samt Bootsgarage gibt es noch zwei Türme aus kleineren Containern. Diese haben jedoch keine Fenster und so halten die Wachgänger dort immer vom Dach aus Wache über die flach abfallende Ostsee am ansonsten großen Sandstrand. Vanessa ist mittags schon mal über die Steilküste zur nächsten Wache gejoggt, bevor wir uns gemeinsam in die warme Ostsee stürzten. Nach dem Abendessen mit der Mannschaft (an der Wache herrscht Vollverpflegung) verbrachten wir einen entspannten Abend im Zelt. Eine Übernachtung in der strandnahen Unterkunft war aus organisatorischen Gründen nicht möglich.

Tagsdarauf ging es weiter zum Weissenhäuser Strand, jedoch nicht über die Steilküste, sondern mit leichtem Umweg über für schwerbeladene Fahrräder geeignete Straßen. Neben der großzügigen Hauptwache gibt es vier luxuriöse Türme. Dank der eigens für die Wache gegründeten Ortsgruppe sind die Abläufe auf der Wache gut organisiert und dokumentiert. Das Wasser fällt auch hier sehr flach ab und die Badezone grenzt direkt an ein militärisches Sperrgebiet, wo zeitweise sogar von Land aufs Wasser geschossen wird. Nach dem Mittagessen im Personalrestaurant kam Klaus Holger Hecken (Einsatzleiter Küste in Schleswig-Holstein) zu Besuch. Er überbrachte dem Wachleiter Dr. Felix Hoffmann neben der traditionellen Holsteiner Mettwurst die Ehrenurkunde für 20 Jahre ZWRD-K. Wir nuzten den Besuch, um über die Organisation unserer weiteren Reise und Verbesserungen in der Waterkant zu diskutieren. Nach gemeinsamen Grillen und Sonnenuntergang am Strand ging es in die leider recht überfüllten Unterkünfte.

Von der Hohwachter Bucht aus machten wir uns Samstag auf den Weg in das uns schon bekannte Wachgebiet in Heiligenhafen. Diese ist eine der größeren Wachen, da neben der Hauptwache und zwei Booten noch acht weitere Türme zu besetzen sind. Die meisten Türme haben neben dem Ausguck noch einen Strandkorb, von dem aus bei geringem Strandbetrieb Wache gemacht werden kann. Die Wachgänger haben ihr Quartier in einem nahegelegenen Haus hinterm Deich. Von der dortigen Küche aus hat man einen Meerblick von 250 Grad. Bei den häufig windigen Verhältnissen können von dort bestens Surfer mit ihren teils waghalsigen Sprüngen beobachtet werden. Pünktlich zum Dienstschluss verabschiedete sich das tolle Wetter der letzten Tage mit einem heraufziehenden Gewitter. Nach dem Abendessen war das Gewitter schon wieder vorbei, sodass wir noch über das Hafenfest bummelten.


 

Insel Fehmarn

Am Sonntag, den 21.7., erwartete uns die erste Insel an der Ostsee. Für die Überfahrt auf die Insel Fehmarn brauchten wir keine Fähre, da es eine Brücke im Fehmarnsund gibt. Diese ist für Autos, Bahn und Fahrräder gebaut, wobei das Begegnen mit Fahrrädern samt Taschen sehr eng werden kann. Auf dem Weg zur Station Bojendorf-Wallnau kamen wir an der Other-Bucht vorbei, in der aufgrund des starken Windes unzählige Surfer unterwegs waren. Diese beobachteten wir bei einem Fisch-Mittagessen. Neben dem geräumigen Stationscontainer besitzt die Wache in Bojendorf-Wallnau auch ein Boot, mit dem für die Sicherheit am Kiesstrand gesorgt wird. Auf dem hiesigen Campingplatz mussten wir glücklicherweise unser eigenes Zelt nicht extra aufbauen. Die Wachmannschaft hatte nämlich bereits ein eigenes, in dem auch wir noch Platz fanden.

Montagmorgen (22.7.) ging es bei Nieselregen zur Station Fehmarnbelt. Mangels Kontaktmöglichkeiten war dies ein Spontanbesuch. Trotzdem nahm uns die Wachmannschaft wärmstens auf und teilte uns einen kostenfreien Zeltplatz zu. Entgegen vorheriger Gerüchte, die Wache sei eventuell geschlossen, entpuppte sie sich als gut ausgestattet und bestens in Schuss. Lediglich das Rettungsboot dient heute nur noch der Bespaßung der Kinder auf dem Spielplatz. Bei der verhältnismäßig kleinen Badezone sind Rettungsbrett und Gurtretter völlig ausreichend. Zum Abendessen fuhren wir dann mit den Wachgängern nach Burg.

Bei Nebel fuhren wir am Dienstag zum Grünen Brink. Kurz vor der Ankunft löste sich der Nebel auf und die Menschen strömten ans Meer. Wider Erwarten trafen wir die dortige Wachgängerin nicht an. Nachdem wir unser Zelt auf dem nahegelegenen Campingplatz aufgebaut hatten, war der Strand bereits gut gefüllt, aber der Adler noch nicht gehisst. Nach Rücksprache mit der Einsatzleitung Küste öffneten wir die Wache und sorgten kurzerhand für die Sicherheit am Strand. Trotz schwacher Infrastruktur ist der flach abfallende Sandstrand bei Familien sehr beliebt. Die Unterkunft der Wachgänger oberhalb des Imbisses bietet einen tollen Meerblick beim Frühstück und Abendessen.

Schon früh morgens am Folgetag war das Wetter super, sodass die Hitze in unserem Zelt uns alsbald zum Aufstehen bewegte. Schwitzend fuhren wir über Burg auf Fehmarn zur Wache Meeschendorf. Dort angekommen haben wir verstanden, weshalb es auf der Wache selbst für Isomatten keinen Platz zum Übernachten gibt. Auf der anderen Seite ist die Wache samt Unterkunft, die wahrscheinlich am nächsten an der Wasserkante steht. Bei bestem Wetter unterstützten wir die Wachmannschaft beim Wach- und Bootsdienst. Zum Übernachten fuhren wir Abends auf die Wache Burg, die am nächsten Tag auf dem Plan stand.

Aufgrund der beengten Platzsituation in Meeschendorf fuhren wir bereits am Mittwochabend (24.7.) in die Unterkunft der Wache Burg. Zusammen mit der Wachmannschaft ging es am gleichen Abend noch auf die Fähre Puttgarden - Rødby - Puttgarden. Am Donnerstag teilte uns der Wachführer als ganz normale Wachgänger ein. Vanessa war auf der Hauptstation, während ich auf einem der drei Außentürme eingesetzt war. Aktuell waren neben den beiden festen Booten ein neues IRB und ein Rettungsjetski zum Testen vor Ort. Abends lud Heinz Lange, der bis letztes Jahr selbst aktiver und sehr bekannter Wachführer in Burg war, die Wachmannschaft zum Grillen zu sich nach Hause ein.

Freitag (26.7.) ging es weiter auf die Wache Wulfener Hals. Die erst kürzlich renovierte Wachhütte steht auf einer Landzunge und ist damit zu beiden Seiten hin von Wasser umgeben. Jedoch wird nur die Meerseite und nicht die des Burger Sees bewacht. Der starke Wind erfreute zwar die Windsurfer, knickte jedoch den ein oder anderen Sonnenschirm um. Dieses Mal haben wir die Wachmannschaft mal auf andere Art unterstützt: so gingen wir mit dem mitgereisten Nachwuchs in die warme Ostsee. Zum Übernachten fuhren wir etwas ins Landesinnere, hatten dafür aber ein eigenes Hotelzimmer.

Letzte Station auf Fehmarn war schließlich die Wache Strukkamp. Während in der Lübecker Bucht die Strände aufgrund starken Wellengangs gesperrt waren, sorgte ablandiger Wind bei uns für klares und glattes Wasser. Dies hatte jedoch zur Folge, dass einige Feuerquallen am Strand lagen und somit das Badevergnügen etwas trübten.

Der hiesige Wachturm direkt vor dem Campingplatz sorgt für kurze Wege und verspricht entspannte Wachdienste.


 

Nördliche Lübecker Bucht

Nach einer Woche auf Fehmarn verließen wir diese am Sonntag den 28.7. über die Sundbrücke gen Wache in Großenbrode. Bei schönem Wellengang schauten wir uns zuerst die drei Außentürme an, bevor wir erste Erfahrungen im Fahren eines IRBs bei Wellen sammeln durften. Die Hauptwache, welche gleichzeitig die Unterkunft ist, liegt direkt an der Promenade. Da sie stark in die Jahre gekommen ist, soll dies ihre letzte Saison sein. Damit ist unser Besuch eher ein Abschieds- denn ein Kennenlernbesuch. Wir sind schon jetzt gespannt, wie die Wache im nächsten Jahr aussehen wird.

Auf dem Weg zur Wache Rosenfelde am Montag kamen wir zufällig an der Wache Süssau vorbei. Diese wird direkt von der DLRG Feuerwehr Hamburg betrieben. Als wir auf dem Campingplatz ankamen, kam es zu einem unerwarteten Wiedersehen: die gleiche Mannschaft war da, die ich schon vor neun Jahren während meines Diensts auf der Nachbarwache, kennengelernt hatte. Mittags versuchten wir, die Grundgewichte des Tage zuvor abgerissenen Schwimmtrampolins zu finden, jedoch war die Sicht noch zu schlecht. Es gelang erst am nächsten Morgen. Die Wache besteht aus mehreren Wohnwagen, wovon einer als Wache umgebaut wurde. Diese stehen alle direkt an der Steilküste, von der man eine tolle Aussicht hat. Nach dem Abendessen ging es noch auf den angrenzenden Minigolfplatz zu einem Dämmerungsspiel. Bei den letzten Bahnen war das Notieren der Schläge nur noch mit Lampe möglich.

Dienstag morgens haben wir unser Zelt stehen lassen, da es vom Regen noch nass war und wir es auf der Nebenwache Rosenfelde FKK-Camping ohnehin nicht benötigten. Diese Wache ist die einzige, die sich komplett auf einem FKK-Gelände befindet. Die Gäste können von ihrem Wohnwagen bis zum Strand der Nacktheit fröhnen. Damit hat diese Wache auch einen ganz anderen Charakter als alle anderen. Die Gäste sind zum Beispiel offener für Ratschläge und sehr hilfsbereit, auch der DLRG gegenüber. Trotz allem ist sie gut ausgestattet und besitzt neben der Station mit Ausguck auch ein Boot. Wir nutzten ein Sonnenloch, um das Schwimmtrampolin zu testen.

Bei leider noch immer regnerischem Wetter holten wir unser Zelt doch nass an der Nachbarwache am Mittwochmorgen ab, um es immerhin später auf der Wache in Dahme im Bootsschuppen zu trocknen. Mit sechs Türmen und zwei Booten ist dies eine der größeren Wachen. Auch hier steht das gemeinsame Wach- und Unterkunftsgebäude direkt an der Promenade vor dem Deich. Aufgrund des schlechten Wetters waren weitestgehend nur die großen Türme besetzt. Am Abend ging es mit der Wachmannschaft nach Süsel zum Wasserskifahren. Aufgrund eines aufziehenden Gewitters musste die Anlage aber nach nur einer Stunde geschlossen werden, sodass es ein recht kurzes Vergnügen war.

Donnerstag (1.8.) stand für mich das große Heimkommen an. Es ging zur Wache Kellenhusen, auf der ich vor 13 Jahren auf den Namen "barfüßiger Algenspäher" getauft wurde. Vom Wach- und Unterkunftsgebäude aus muss man nur über die Promenade gehen und schon steht man im Sand. Von den fünf Türmen sind nur zwei klassische Container, während die anderen drei eher futuristische Bauten sind. Bei einem Spaziergang über den Strand und das Dorf konnten wir die langsame Entwicklung begutachten. Am Abend saßen wir zusammen mit der Mannschaft vor der Wache am Strand und genossen die einsetzende Nacht. Ein erneuter Einsatz hier hängt davon ab, ob wir Platz in einer der Stammmannschaften finden.


 

Südliche Lübecker Bucht

Am Freitag, den 2. August ging es nach Grömitz und Lenste, der größten Wache an der Küste. Die knapp 50 Rettungsschwimmer bewachen von 17 Türmen und zwei Booten aus den zwölf Kilometer langen Strand. Aktuell ist die Unterbringung noch etwas kompliziert. Die meisten sind im Jugendcamp in Lenste untergebracht, andere in der Wache in Grömitz oder in Ferienwohnungen im Dorf. Nach der Saison 2019 wird die aktuelle Wache abgerissen und weicht damit einem großen Neubau. Darin werden zukünftig alle Rettungsschwimmer Platz finden und direkt am Strand wohnen können. Zum Abschluss des Tages lud uns die Wachmmannschaft in ein ungarisches Restaurant ein.

Samstag fuhren wir zur ersten Wache der Gemeinde Schashagen. Der Weg führte entlang der Steilküste durch einen Wald, hatte am Ende jedoch eine sehr enge Schikane, sodass wir unsere Fahrräder teils sogar abladen mussten. In Bliesdorf stehen ein Container als Hauptwache und zwei Türme am Strand während die Unterbringung in modernen Mobilehomes auf dem angrenzenden Camping erfolgt. Aufgrund des Wachwechsels besetzten wir ab Mittag das neue IRB. In den letzten Jahren wurde einiges an dieser Wache modernisiert, sodass sie gut ausgestattet ist. Eine zukünftige Unterbringung in einem Haus steht noch zur Diskussion. Nach dem gemeinsamen Abendessen ging es noch an den Strand, wo wir bis zum Einbruch der Nacht Wikinger-Schach (Kubb) spielten.

Auch am Sonntag war der Weg nicht weit bis zur Wache Brodau. Hier wurde in den letzten Jahren viel investiert, sodass die beiden Türme und das Boot neuwertig sind. Die Unterkunft an der "Elfenschlucht" lässt ebenfalls kaum Wünsche offen. Selbst kleine Nachspeisen konten wir direkt an der Hauptwache in Form von wild wachsenden, leckeren Brombeeren genießen. Vor zwei Jahren gründeten engagierte Wachgänger der beiden Wachen in Schashagen eine eigene Ortsguppe zur Organisation. So sind eine gute Pflege und Entwicklung gesichert. Am Abend trafen wir die Kameraden der Wache Bliesdorf erneut, da sie auf einen Besuch vorbeikamen.

Der Weg am Montag (5. August) war nicht sehr weit, da zwischen der Wache Brodau und dem Strandabschnitt Rettin der Wache Pelzerhaken Sichtkontakt besteht.
Die gesamte Infrasturktur auf dieser Wache ist neu und komfortabel. Beim Bau der neuen Unterkunft samt Wache vor einigen Jahren wurde stark auf den Wunsch der Rettungsschwimmer eingegangen, sodass es ein sehr durchdachtes Gebäude ist. So bietet es den Luxus eines eigenen Trockenraums und sogar eine warme Außendusche. Daher besetzen gleich vier Ortsgruppen über die gesamte Saison die Wache.
Diese bringen teilweise sogar Rettungsbretter und -skier aus dem Rettungssport mit, um außerhalb der Wachzeiten für Outdoorwettkämpfe zu trainieren. Nach dem Abendessen nutzten wir eine Ausbildungsfahrt auf dem Boot, um uns den Hafen in Neustadt auch mal von der Wasserseite aus anzusehen, bevor wir den Abend direkt am Strand ausklingen ließen.

Am nächsten Tag ging es zum großen Strand von Sierksdorf, Haffkrug über Scharbeutz bis hin zum Timmendorfer Strand und Niendorf. Der gesamte Strand besitzt 24 Türme und elf Boote. Aufgrund der momentanen Übergangslösung war eine Unterbringung in Timmendorf nicht möglich. Aber auch in Scharbeutz konnte uns nur eine Schlafgelegenheit weit im Inland angeboten werden. Wir haben den Tag Auszeit von der Reise genutzt, um in der Ostseetherme zu entspannen. Auf dem Weg dort hin sind uns immer wieder nett gestaltete Trafohäuschen aufgefallen.

Mittwoch fuhren wir zur Wache in Travemünde, die nicht zentral, sondern von der Ortsgruppe Lübeck betrieben wird. Da wir in den letzten Jahren schon einmal mit dem Gedanken gespielt hatten, Wachdienst auf dieser Wache zu machen, wollten wir die Reise nutzen, um sie uns anzusehen. Die Wachmannschaft hat uns freudig aufgenommen und an ihrem Wachalltag teilnehmen lassen. Wir durften das Wachgebiet mit den drei Türmen von einem der beiden Boote aus kennen lernen. Auch in der Hauptwache ist für die Rettungsschwimmer mit einem großen Fundus an Poolware bestens gesorgt. Da die Wache größtenteils von Rettungsschwimmern aus dem Bundesgebiet besetzt wird, ist auch für außergewöhnliche Unterbringung gesorgt. Im wahrsten Sinne des Wortes geht es nachts in die Koje, da man auf dem alten Segelschiff "Passat" untergebracht ist. Dies ist nicht nur Unterkunft der Rettungsschwimmer, sondern außerdem Eventlocation und Museum. Trotz der etwas engen Verhältnisse unter Deck sind Abende auf dem Achterdeck mit Blick auf die Hafeneinfahrt von Travemünde eine absolute Besonderheit.


 

Nordwestmecklenburg

Am Freitag, den 9.8., fuhren wir ins dritte Bundesland an der deutschen Küste. Die erste Station in Mecklenburg-Vorpommern war Boltenhagen. Auf dem Weg an der Steilküste entlang galt es, rund 200 Höhenmeter über zum Teil recht steile Anstiege zu überwinden. Bis auf Turm 6 liegen alle Türme in einer Bucht, wobei der neueste Turm Nr. 7 zwischen den anderen steht. Da es der letzte Abend der dortigen Wachmannschaft war, stand der letzte Abend unter einem besonderen Motto: bayerisch sollte es zugehen. Bei zünftigem Festzeltschmaus und extra organisierten Maßkrügen wurde auf die vergangene Wachzeit angestoßen.

Samstag ging es zum Kontrastprogramm nach Zierow, wo zu dem Zeitpunkt lediglich ein Wachgänger eingeteilt war. Mit flachem Ufer, Sand- und Rasenstrand und großem Kinderspielplatz ist die Wache ideal auch für Familien geeignet. Die geräumige Unterkunft bietet genügend Schlafplätze, sodass jeweils ein Angehöriger mitgebracht werden kann. Einem verhältnismäßig ruhigen Familienurlaub steht hier wenig im Wege. Aufgrund von Regen konnten wir abends leider doch nicht grillen und mussten auf den Herd zurückgreifen.

Tagsdarauf ging es für einen Tag auf die Insel Poel. Der Weg war gesäumt von reifem Obst, das wir uns haben schmecken lassen. Bei starkem Wind lag das Boot der Wache im nahen Hafen. Auch wenn die Wege am hiesigen Timmendorfer Strand kurz sind, liegt ein Turm fünf Kilometer entfernt, wofür aber auch E-Bikes zur Verfügung stehen. Die Rettungsschwimmer sind in einem großen Bungalow mit überdachter Terasse der Gemeinde untergebracht. Uns beiden wurde ein weiterer Bungalow direkt in der Nähe zur Verfügung gestellt.


 

Landkreis Rostock

Zurück auf dem Festland ging es am Montag, den 12.8., an die Steilküste von Rerik. Mit einer Strandstreife erkundeten wir die drei Außentürme. Diese sind wie die Unterkunft sehr geräumig. Auch bietet die Unterkunft eine Grünanlage mit Feuerstelle, an der bei gutem Wetter die Abende bestens genossen werden können. Nach dem selbstgekochten Abendessen mit der ganzen Mannschaft schauten wir uns den Sonnenuntergang an und spielten Beachvolleyball am Strand.

Dienstag ging es weiter nach Kühlungsborn. Da die Strecke mit 12 Kilometern recht kurz ist, ließen wir unser Essen in Rerik aus, um eine längere Etappe zu fahren. Kühlungsborn besitzt zwei Boote und die Türme zwei bis acht, da am Ort des alten Turm eins inzwischen der Yachthafen ist. Dies ist die letzte Wache auf unserer Tour, die uns durch ehemalige Wachdienste bekannt war. Es war auch die Wache von Vanessa, bei der sie auf den Namen "quirlige Boardnixe" getauft wurde.

Über schöne Waldwege ging es am Mittwoch an den Wasserwacht-Wachen Heiligendamm und Warnemünde vorbei zur Wache Graal-Müritz. Diese wacht über drei Strandabschnitte an einem insgesamt sechs Kilometer langen Strand. Früher waren in Graal-Müritz neun Türme, weshalb die Turmnummerierung historisch bedingt noch 1, 4 und 9 ist. Nach einem kurzen Mittagsschlaf in der Unterkunft verbrachten wir den Nachmittag auf Turm 1 und unterhielten uns mit den Wachgängern dort.


 

Halbinsel Fischland-Darß-Zingst

Am Donnerstag, den 15.8., führte uns unsere Reise nach Dierhagen. Die Station besteht aus einer großen Hauptwache mit zwei gut durchdachten Außentürmen. Direkt hinter der Hauptwache gehört ein weitläufiges Gelände mit zwei großen Schuppen und einer Feierecke zur Wache. Dort konnten wir auch unsere Räder samt Taschen unterstellen. Aufgrund regnerischen Wetters war der große Sandstrand leider fast leer. Dadurch konnten wir jedoch zusammen mit den Wachgängern Rettungsübungen mit Gurtrettern durchführen und üben, wie man Patienten an Bord eines IRB holt.

Am nächsten Morgen besuchten wir Wustrow. Aufgrund des immer noch schlechten Wetters war nur die Hauptwache besetzt, weshalb es dort recht beengt zuging. Eigentlich gibt es noch drei Außentürme, jedoch sind zwei Holzhütten mit Reetdach durch vergangene Winterstürme nicht nutzbar. Immerhin hatte die Bootsmannschaft bei stärkerem Wellengang Spaß und trainierte in der Brandung, während die anderen Wachgänger sich im Bereich Medizin weitergebildeten. Den Abend verbrachten wir zusammen mit der Mannschaft in der modernen und gut ausgestatteten Unterkunft.

Tagsdarauf fuhren wir bei Nieselregen ins nahe gelegene Ahrenshoop. Da dort großer Wechseltag anstand, hatten wir bereits im Vorfeld angeboten, dass wir durch Wachdienst unterstützen. Wir besetzten den Ausguck des nett gebauten Hauptturms, von dem aus wir zumindest mit dem Fernglas fast das gesamte Wachgebiet überblickten. Nach Dienstschluss aßen wir an der Hauptwache bevor es in die Unterkunft nahe Wustrow ging. Ab nächstem Jahr soll die Unterbringung zwecks kürzerer Wege nah bei der Hauptwache sein.

Am Sonntag ging es auf die letzte Festlandwache auf unserer Reise nach Prerow. Der Weg durch den Darßer Wald war leider häufig sandig, sodass wir mit unseren schwer beladenen Fahrrädern nur schwer vorwärts kamen. Bei einem Strandgang erkundeten wir zwei der insgesamt vier Außentürme. In den nächsten Jahren stehen hier größere Baumaßnahmen an, es wird sich hier also viel verändern. Da die Dühne langsam wächst, müssen die Türme weiter nach vorne Richtung Wasserkante versetzt werden. Neben dem Strand ist die Wache auch für die Erstversorgung von Patienten im teils unwegsamen Hinterland zuständig. Die Prerower wissen einiges über den Umgang mit IRBs (es wird auch ein spezieller Lehrgang mit Ausrichtung WRD angeboten), sodass wir die Chance nutzten und uns noch einige Tipps in Theorie und Praxis geben ließen.


 

Inselhopping an Rügens Westküste

Am 19.8. fuhren wir durch Stralsund auf die Insel Rügen nach Altefähr. Die Station ist ein Holzturm im Sand, von dem man nicht nur auf das Wachgebiet, sondern auch toll nach Stralsund blicken kann. Es ist eine ruhige Wache, bei der auch die ganze Familie mitgebracht werden kann. So wurde uns nicht langweilig, hatte einer der Wachgänger schließlich seine drei Kinder mit dabei.

Dienstag ging es zur Wache des Campings Suhrendorf auf der Insel Ummanz. Die Wache und Unterkunft ist ein Mobile Home und damit direkt am Wasser und der Badebereich durch Bojenketten klar abgetrennt. Durch die vorgelagerte Insel Hiddensee ist das Wachgebiet geschützt vor all zu starker Brandung. Der Grund fällt flach ab und ist sehr beliebt bei Surfern. Leider mussten die Wachgänger ihren Dienst vorzeitig abbrechen, sodass wir den Abend samt tollen Sonnenuntergang alleine genossen.

Auch am Mittwoch führte uns unser Weg auf eine Inselwache, diesmal auf Hiddensee. Diese Insel ist autofrei und nur mit der Fähre erreichbar. Die drei Türme der Wache liegen in den Orten Neuendorf, Vitte und Kloster auf der Außenseite der Insel. Der kräftige auflandige Wind sorgte für starke Brandung, die wir mit Freuden genossen. Am Abend spielten wir zusammen mit vielen Einheimischen Volleyball, was dank improvisierter Flutlichtanlage bis nach Sonnenuntergang möglich war.

Am Donnerstag ging es wieder zurück auf die Insel Rügen zur Wache Nonnevitz. Das Regenbogencamp, dessen feiner Sandstrand hier bewacht wird, liegt in einem malerischen Kiefernwald. Oberhalb der Steilküste liegt die Wache mit ihrer einmaligen Luft- und Wassertemperaturanzeige. Direkt dahinter ist genügend Platz, um mehrere Wohnwagen aufzustellen, sodass auch für Angehörige die Erholung gesichert ist. Am Nachmittag besichtigten wir die Nordspitze Rügens von der Wasserseite aus.


 

Rügens Nordost-Strände

Freitag den 23.8. wählten wir nicht den direkten Weg zur Wache Juliusruh, sondern fuhren über Kap Arkona. Dies ist der nördlichste Punkt Rügens und damit auch der ehemaligen DDR. Auch wenn der Weg mit unserem schweren Gepäck sehr mühsam war, entschädigte das weite Meerpanorama die Strapazen. Die Rettungsschwimmer der Station Juliusruh sorgen für Sicherheit an einem Abschnitt der lang gezogenen Sandstrandbucht Tromper Wiek. Auf dem großen Außengelände der nahe gelegenen Unterkunft stießen wir zusammen mit der Mannschaft auf deren vergangene Wachzeit an und ließen den Abend entspannt ausklingen.

Am Samstag ging es weiter zur ersten Wache der Binzer Bucht in Prora. Bekannt ist der Ort durch das nie vollendete "Kraft durch Freude"-Seebad der NS-Zeit, wo am Ende eine 4,7 Kilometer lange Anlage von acht je 500 Meter langen Gebäudetrakten hätte entstehen sollen. Erst in den letzten Jahren wurde damit begonnen, zumindest fünf der Gebäude zu vollenden. Aktuell besteht die Wache aus drei Containern und drei neuen Festbauten, soll aber künftig noch erweitert werden. Untergebracht sind die Rettungsschwimmer zusammen mit denen der Nachbarwache Binz in einem Appartementhotel.

Aufgrund der Nähe verbrachten wir am Sonntag den gesamten Wachtag auf der Wache in Binz und wurden als normale Rettungsschwimmer im Wachplan mit eingeteilt. Da sich die Saison langsam schon ihrem Ende nähert, waren nur sechs der sieben Türme besetzt. Diese sind zumeist Festbauten mit Annehmlichkeiten wie zum Beispiel eigenen Küchen. Binz ist für die DLRG ein sehr wichtiger Ort, da ein Schiffsunglück 1912 das Schlüsselereignis zu ihrer Gründung im Herbst 1913 war. Daran erinnert heute ein Gedenkstein am Seebrückenvorplatz.


 

Rügens Südostspitze

Am Montag den 26.8. fuhren wir zur Wache Sellin, was die erste des Tripletts Sellin-Baabe-Göhren der gemeinsamen Bucht war. Durch den Granitzer Wald wählten wir den Weg anhand der Bodenbeschaffenheit. Leider führe dies dazu, dass wir über das Jagschloss auf 90 Meter ü. NN. fuhren, anstatt nur knapp über Meereshöhe. Nach einer kurzen Abkühlung in der angenehm warmen Ostsee zogen wir uns gleich Wachshirts an, um die nur mit zwei Personen besetzte Mannschaft zu unterstützen. An einem der beiden nicht besetzen Nebentürme kam es schon zum ersten Einsatz. Später waren wir noch auf Streife über den feinen Sand hin zum anderen Nebenturm auf der Seebrücke.

Nachdem wir in Sellin direkt am Strand gefrühstückt hatten, ging es am Dienstag weiter nach Baabe. An einem der beiden Nebentürme fand aktuell ein Rettungsschwimmer-Intensiv-Kurs in der Ostsee statt, weshalb wir leider nicht in der Unterkunft übernachten konnten. Die sechs Teilnehmer wurden unter praxisnahen Bedingungen in einer Woche zum Rettungsschwimmer ausgebildet. Vom Erfolg dieses Kurskonzeptes zeugten auch die beiden Wachgängerinnen des Vorjahreskurses.

Mittwoch fuhren wir weiter nach Göhren zur dritten Wache der Bucht. Auch hier gibt es neben der Hauptwache zwei Nebentürme, die wie in der ganzen Bucht luxeriöse Festbauten sind. Nach einer kurzen Phase der roten Beflaggung aufgrund eines dann doch nicht heranziehenden Gewitters nutzte Vanessa die Chance, das neue aufblasbare Rettungsbrett zu testen. Dank des Full-Service-Vertrags verfügt die Wache neben einem Boot, wie die anderen beiden Wachen in der Bucht auch, zusätzlich noch über ein Quad. Nach Dienstschluss machten wir noch einen Bummel über das Straßenfest und kehrten schließlich ins DLRG-Stammrestaurant ein.

In der südlichsten Bucht Rügens auf der Halbinsel Mönchgut befindet sich ein weiteres Wachen-Triplet. Da die drei Gemeinden zusammengelegt wurden, wird momentan an einer gemeinsamen Wache, der zukünftigen Wache Mönchgut, mit neuer Unterkunft und Wachtürmen geplant. Wir freuen uns schon, die zukünftigen Entwicklungen in den nächsten Jahren zu verfolgen. Die Bucht bietet einen feinen Sandstrand, der von einem Nadelwald umrandet ist. Begonnen haben wir am Donnerstag mit der Wache Thiessow, welche eine feste Wachstation und ein Boot besitzt. Am nächsten Morgen haben wir bei schönstem Wetter in Gager Wachdienst gemacht. Damit haben wir dem Wachgänger, der seit sechs Wochen hier war, einen freien Tag ermöglicht. Während dieser Zeit ist er neben dem Wachdienst auch seiner kreativen Ader nachgegangen, indem er Kunstwerke geschnitzt hat. Die Wache Lobbe trafen wir leider nicht mehr bei Öffnung an, sodass wir uns den Wachwohnwagen am feinen Sandstrand nur kurz anschauen konnten, bevor es auf die letzte Fähre unserer Reise Richtung Usedom ging.


 

Die Insel Usedom

Am Samstag, den 31.8., ging es mit der letzten Fähre unserer Reise weiter auf die Insel Usedom. Die erste Wache war Trassenheide, wo wir aufgrund der Fahrtzeiten erst nach Dienstschluss ankamen. Das Finden der Bungalows auf dem Campingplatz gestaltete sich als sehr schwer. Um die Wache kennen zu lernen, blieben wir Sonntags hier und machten mit Dienst. In der Hauptsaison wird der große Sandstrand von zwei Türmen, der Hauptwache und einem Boot gesichert. Dank des Quads sind auch große Distanzen und das Slippen des Bootes kein Problem.

Montag (2.9.) machten wir uns auf ins nahe Zempin. Auf dem Weg dahin kamen wir an einer der fünf Wachen der Wasserwacht auf Usedom vorbei. Auch in Zempin war schon Nachsaison, da der Strand nur noch von zwei Rettungsschwimmern bewacht wurde. Somit konnten mit unserer Hilfe zwei der drei Stelzentürme besetzt werden. Die Motorboote waren momentan außer Dienst. Abends haben wir ausnahmsweise eigenständig gekocht bevor wir uns mit dem Wachgänger über die Zukunft der Wache unterhielten.

Der Dienstag stand im Zeichen der DLRG Medienarbeit. Noch in Zempin trafen wir uns mit einem Videojournalisten, um einen Beitrag für DLRGTube zu drehen. Wir wurden mit Kameras ausgestattet und machten uns auf den Weg. In Kosarow legten wir einen Stop für ein Interview ein. Von der örtlichen ASB-Wasserrettungswache, einer von zweien an der Küste, wurde unser Treiben im Detail beobachtet. Die Ankunft auf der Wache Kölpinsee war anders als sonst, da alle Szenen für den Film mehrmals stattfinden mussten. Aufgrund des schlechten Wetters waren die drei Außentürme nicht besetzt. Auch das Boot wurde nur für unsere Dreharbeiten zu Wasser gelassen.

Auf der letzten Wache unserer Reise in Ückeritz kamen wir am Mittwoch an. Zum Ausklang unserer Reise und der Saison blieben wir für zwei Nächte. Wir erkundeten das Wachgebiet mit den zwei Außentürmen mittels Boot, Quad und zu Fuß. Auch haben wir unser auf der Reise erlangtes Wissen über das IRB-Fahren an die Wachmannschaft weiter geben können. Abends ging es dann in die nahe gelegenen Bungalows. Diese bestehen aus mehreren 3-Bett-Zimmern und einem großen Aufenthaltsraum mit Küche. An unserem Abschlussabend fuhren wir mit der Wachmannschaft in einen nahe gelegenen Ort nach Polen zum Essen. Am Freitagmittag stiegen wir dann in den Zug ehe wir nach 12 Stunden Reise und dreimaligem Umsteigen, was mit all den Taschen an den Rädern nicht ganz leicht war, wohlbehalten zu Hause in Karlsruhe ankamen.


 

Fazit unserer Reise

Unsere Tour über alle ZWRD-K Wachen der DLRG war eine einmalige Reise. Bis auf drei verlorene Schrauben brachten die Räder uns und unsere insgesamt 50 Kilogramm Gepäck bestens über die rund 1.800 km vom 6. bis 14. Breitengrad. Von den 86 Wachen zu Beginn der Saison, ja in der Saison ist noch eine an der Nordsee dazu gekommen, trafen wir 79 Wachen bei Öffnung an und fuhren bei den anderen zumindest vorbei.

Dass uns die Wachen tatsächlich derart gut aufnhamen und wir in den meisten auch übernachten konnten, hätten wir uns vorher so nicht gedacht. Die DLRG ist eine große "Familie", sodass wir bis auf zwei Ausnahmen immer in kürzester Zeit bestens in die Mannschaften integriert waren. Während unserer Reise lernten wir über 600 Kameraden kennen, wovon wir elf Stück sogar zwei Mal trafen, da sie auf zwei Wachen Dienst machten. Die Verpflegung, welche wir zumeist mit den Wachgängern genossen, war recht abwechslungsreich, wenn auch fleischlastig: an Platz eins liegt Grillen dicht gefolgt von Nudelgerichten.

Alle Wachen sind verschieden, keine gleicht der anderen. Abgesehen von den Wachcontainern der Materialstelle sind alle Türme individuell. Und auch die Ausstattung reicht von einfacher Ersten-Hilfe bis hin zu Notarztmaterial. Grundausstattung auf allen Wachen sind Gurtretter und Rettungsbojen, deren Umgang natürlich alle beherrschen. Aber schon bei den häufig vorhandenen Rettungsbrettern zeigt sich, welche Wachgänger schon häufiger an der Küste waren oder daheim Möglichkeiten haben, den Umgang zu üben. Den Anderen konnten wir viele hilfreiche Tipps geben. Im Bereich IRB, welche erst in den letzten Jahren vermehrt zum Einsatz kommen, kann der ein oder andere sicherlich noch eine Trainingsstunde vertragen. Ihre Handhabung muss geübt werden; das gilt sowohl für den Bootsführer als auch den Bootsgast. Wir lernten dank zahlreicher Kontakte viel Wissen in deren Umgang dazu und gaben dieses zum Ende der Reise auch weiter.

Bei der großen Vielfalt der Wachen gab es für uns jetzt nicht "die beste Wache". Grob 20 Wachen haben uns so gut gefallen, dass wir dort in den kommenden Jahren Wachdienst machen wollen. Dürften wir uns unsere Traumwache zusammenstellen, würden wir folgendes kombinieren:

  • den Strand samt Dünen von Amrum,
  • der Brandung von Sylt,
  • die Hauptwache und Unterkunft von Pelzerhaken,
  • am Ort der Wache von Kellenhusen,
  • mit den Außentürmen von Dierhagen,
  • dem Abschnittsleiter von Kühlungsborn oder die Ortsgruppe von Norgaardholz,
  • der Ausstattung von Travemünde,
  • den Booten samt Pflege und Fahrwissen von Prerow,
  • und dem Engagement des Strandbetreibers wie in Schönhagen.